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Prozessreife (Process Maturity)

Prozessreife – im Englischen Process Maturity – beschreibt den Entwicklungsstand der Prozessorganisation eines Unternehmens.

Reifegradmodelle bewerten, wie systematisch, standardisiert und optimiert Geschäftsprozesse gestaltet sind, und geben Orientierung für den Weg zu einer höheren Prozessreife.

Das bekannteste Reifegradmodell ist das Capability Maturity Model (CMM) mit fünf Stufen: Stufe 1 (Initial) – Prozesse sind ad hoc und chaotisch, Ergebnisse hängen von Einzelpersonen ab. Stufe 2 (Managed) – Grundlegende Prozesse sind definiert und werden projekt- oder fallbezogen gesteuert. Stufe 3 (Defined) – Prozesse sind unternehmensweit standardisiert und dokumentiert. Stufe 4 (Quantitatively Managed) – Prozesse werden mithilfe von Kennzahlen gesteuert und überwacht. Stufe 5 (Optimizing) – Prozesse werden kontinuierlich und systematisch verbessert.

Für die Einführung einer Workflow-Plattform ist die Einschätzung der eigenen Prozessreife hilfreich: Unternehmen auf Stufe 1 profitieren am meisten von der Standardisierung durch Workflow-Management, sollten aber mit einfachen Prozessen beginnen. Unternehmen auf Stufe 2 oder 3 können bestehende Prozessdefinitionen direkt in Workflows überführen. Und Unternehmen auf Stufe 4 oder 5 nutzen die Analysefähigkeiten der Plattform für datengestützte Optimierung.

Workflow-Plattformen wie Flow360 unterstützen Unternehmen auf jeder Reifestufe: Sie bieten einfache Einstiegsmöglichkeiten für die erste Standardisierung, leistungsfähige Modellierungswerkzeuge für komplexe Prozesse und integrierte Analysefunktionen für die kontinuierliche Verbesserung. Die Plattform wächst mit der Prozessreife des Unternehmens.

Agiles Geschäftsprozessmanagement – Flexibilität und Iteration

Traditionelles Geschäftsprozessmanagement folgt einem strukturierten, sequenziellen Ansatz: Prozesse werden detailliert analysiert, modelliert, dokumentiert und dann umgesetzt. Änderungen erfordern einen formalen Change-Prozess. Agiles Geschäftsprozessmanagement wendet die Prinzipien agiler Methoden auf das Prozessmanagement an und ermöglicht schnellere Anpassungen, iterative Verbesserungen und eine höhere Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen.

Was ist agiles Geschäftsprozessmanagement?

Agiles Geschäftsprozessmanagement kombiniert die Struktur des klassischen Prozessmanagements mit der Flexibilität agiler Arbeitsweisen. Kernmerkmale sind:

  • Iterative Prozessentwicklung: Prozesse werden nicht in einem großen Wurf perfektioniert, sondern in kurzen Zyklen entwickelt, getestet und verbessert
  • Schnelle Umsetzung: Statt monatelanger Analysephasen werden erste Prozessversionen rasch produktiv gesetzt
  • Kontinuierliche Anpassung: Prozesse werden regelmäßig auf Basis von Feedback und KPIs optimiert
  • Crossfunktionale Teams: Prozessbeteiligte aus verschiedenen Abteilungen arbeiten gemeinsam an der Prozessgestaltung
  • Nutzenorientierung: Fokus auf schnelle, messbare Mehrwerte statt vollständiger Perfektion
  • Transparenz und Feedback: Prozessleistung wird transparent gemacht, Verbesserungsvorschläge aktiv eingeholt

Unterschiede zum klassischen Prozessmanagement

AspektKlassisches PMAgiles PM
VorgehenSequenziell (Analyse → Design → Implementierung)Iterativ (Build → Measure → Learn)
ZeitrahmenMonate bis JahreWochen bis Monate (Sprints)
DokumentationUmfassend und formalSchlank, nur notwendige Dokumentation
ÄnderungenFormal über Change ManagementFlexibel und kontinuierlich
FokusProzessstabilität und ComplianceAnpassungsfähigkeit und Innovation
SteuerungTop-down, zentrale ProzessabteilungBottom-up, dezentrale Prozessteams

Aufbau Prozessmanagement – agil und systematisch

Der Aufbau eines Prozessmanagement-Systems nach agilen Prinzipien erfolgt in iterativen Schritten:

Phase 1: Quick Wins identifizieren (Sprint 1-2)

Statt einer umfassenden Prozesslandkarte werden zunächst 2-3 Prozesse identifiziert, die:

  • Hohen Impact haben (Häufigkeit, Kosten, Kundenrelevanz)
  • Schnell digitalisierbar sind
  • Breite Akzeptanz bei Beteiligten finden

Diese Prozesse werden als Minimum Viable Process (MVP) modelliert und umgesetzt.

Phase 2: Lernen und Anpassen (Sprint 3-4)

Nach der Einführung wird der Prozess in der Praxis beobachtet:

  • Welche Schritte funktionieren gut, welche nicht?
  • Wo gibt es Verzögerungen oder Fehlerquellen?
  • Was sagen die Nutzer?

Basierend auf diesem Feedback wird der Prozess iterativ verbessert.

Phase 3: Skalierung (Sprint 5+)

Erfolgreiche Prozesse werden schrittweise auf weitere Bereiche ausgeweitet:

  • Ähnliche Prozesse in anderen Abteilungen
  • Vor- und nachgelagerte Prozesse
  • Komplexere Varianten

Dabei wird kontinuierlich dokumentiert, was funktioniert und was nicht – eine lebende Wissensdatenbank entsteht.

Agile Methoden im Prozessmanagement

Konkrete agile Praktiken, die im Prozessmanagement angewendet werden können:

1. Prozess-Sprints

  • 2-4 Wochen fokussierte Arbeit an einem Prozess
  • Sprint Planning: Was soll erreicht werden?
  • Daily Standup: Kurze Abstimmung im Prozessteam
  • Sprint Review: Demonstration des Prozesses an echten Beispielen
  • Retrospektive: Was lief gut, was sollte verbessert werden?

2. Prozess-Backlog

  • Priorisierte Liste aller Prozessverbesserungen und -digitalisierungen
  • Regelmäßige Neubewertung nach Business Value und Aufwand
  • Transparenz über geplante Verbesserungen

3. Kanban für Prozessaufgaben

  • Visualisierung des Prozessverbesserungs-Workflows
  • Spalten: Idee → In Analyse → In Umsetzung → Testing → Produktiv
  • Limitierung paralleler Aufgaben (Work in Progress Limits)

4. Process Owner als Product Owner

  • Der Process Owner übernimmt die Rolle des Product Owners
  • Verantwortlich für Priorisierung und kontinuierliche Verbesserung
  • Direkte Zusammenarbeit mit Prozessnutzern

Vorteile agilen Geschäftsprozessmanagements

  • Schnellere Time-to-Value: Erste Prozessverbesserungen sind nach Wochen statt Monaten sichtbar
  • Höhere Nutzerakzeptanz: Betroffene werden zu Beteiligten, ihre Ideen fließen direkt ein
  • Bessere Anpassungsfähigkeit: Prozesse können flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren
  • Kontinuierliche Verbesserung: Verbesserung wird zur Routine, nicht zum Projekt
  • Geringeres Risiko: Kleinere Änderungen reduzieren das Risiko von Fehlentwicklungen

Agiles Prozessmanagement mit Workflow-Plattformen

No-Code-Plattformen wie Flow360 sind ideal für agiles Geschäftsprozessmanagement:

  • Schnelle Prototypen: Prozesse können innerhalb von Stunden modelliert und getestet werden
  • Iterative Anpassung: Änderungen sind ohne IT-Projekt direkt umsetzbar
  • Echtzeit-Feedback: Prozessmetriken zeigen sofort, wie sich Änderungen auswirken
  • Versionierung: Frühere Prozessversionen bleiben nachvollziehbar
  • Dezentrale Prozessgestaltung: Fachabteilungen können ihre Prozesse eigenständig optimieren

Der Aufbau eines Prozessmanagements muss nicht langwierig und bürokratisch sein – mit agilen Prinzipien wird Prozessmanagement zu einem dynamischen, nutzerorientierten Werkzeug für kontinuierliche Verbesserung.